Foto: (c) Bayram Er/DRW

25.06.2024
Mehring: Digitalisierung für Inklusion nutzen

Der Bayerische Staatsminister für Digitales besuchte das Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg. Hier war der jüngste Disput über die „Tagesschau“ in Einfacher Sprache Thema. Er informierte sich zudem über Anwendung und Chancen digitaler Hilfsmittel für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung

Nach der Kritik an der ARD, weil sie ihre Hauptnachrichtensendung „Tagesschau“ seit Juni auch in Einfacher Sprache präsentiert, hat sich der Bayerische Staatsminister für Digitales Dr. Fabian Mehring (Freie Wähler) positiv zur Initiative des Senders geäußert. „Politik ist für die Menschen da. Das Ziel muss es ein, dass wir alle Menschen in Richtung Zukunft mitnehmen“, so Fabian Mehring im Interview mit den „Barrierebrechern“, einer Gruppe von Menschen mit Handicap aus dem Dominikus-Ringeisen-Werk (DRW), die erfolgreiche Instagram- und TikTok-Kanäle betreibt. Alleine bei Instagram folgen den „Barrierebrechern“ bereits über 48.000 Interessierte. Die Hauptnachrichtensendung der ARD wird seit 13. Juni täglich um 19 Uhr in Einfacher Sprache im Sender tagesschau24 ausgestrahlt. Bereits um 18 Uhr steht sie auf der Internetseite tagesschau.de/einfache-sprache sowie in der tagesschau-App zur Verfügung. An diesem Angebot hatte es in Sozialen Medien teils heftige Kritik gegeben. Einige Kommentatoren zeigten kein Verständnis für die Initiative der ARD. Für sie kommt sie einer Verdummung der Zuschauer gleich. Einfache Sprache ist eine vereinfachte Version der deutschen Standardsprache.

Komplexe Politik verständlich machen

Mehring sieht in dieser Kommunikationsform eine Chance: „Wir müssen dafür sorgen, dass möglichst alle Menschen komplexe Entscheidungen gut verstehen. Die Menschen für Politik zu gewinnen klappt nur dann, wenn wir für jedermann gut verständlich erklären, was wir warum machen. Politische Berichterstattung und wir Politiker sollten deshalb kompliziert denken und einfach sprechen, nicht andersherum“, sagte Mehring. „Es gibt gerade zahllose destruktive Kräfte, die versuchen, unsere Gesellschaft auseinanderzutreiben. Wenn wir es schaffen wollen, dass unsere Gesellschaft zusammenhält, müssen wir die Menschen mitnehmen.“ Die ARD erklärt auf ihrer Internetseite, dass rund 17 Millionen Erwachsene Deutsche Problemen damit hätten, komplexe Texte zu verstehen. Um auch diesen Menschen Gelegenheit zu geben, am gesellschaftlichen Diskurs teilzunehmen sollten klassische Nachrichten nun verständlicher präsentiert werden.

Im Dominikus-Ringeisen-Werk wird neben Einfacher Sprache auch Leichte Sprache genutzt, um mit Menschen mit kognitiver Einschränkung zu kommunizieren. Leichte Sprache folgt in ihren Regeln und im Schriftbild bestimmten Voraussetzungen und soll dazu dienen, kommunikative Barrieren abzubauen. Zur DRW-Prüfgruppe Leichte Sprache gehören Menschen mit Behinderung, die sich als Experten in eigener Sache für eine leichter verstehbare Kommunikation zwischen Menschen einsetzen.

Das Kind verstehen: Eine Mutter erzählt

Wie digitale Kommunikation Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft fördert, zeigte der Besuch des Staatsministers bei der Franz von Sales-Schule in Ursberg. Sie ist ein Förderzentrum für mehrfachbehinderte Hörgeschädigte sowie Kinder mit Kommunikationsschwierigkeiten, zum Beispiel mit Autismus und kognitiven Einschränkungen. Neben der Sprache werden alle Möglichkeiten aus dem Bereich der Unterstützten Kommunikation genutzt. So arbeiten Schülerinnen und Schüler zur gezielten Kommunikationsförderung beispielsweise mit verschiedenen computerunterstützten Medien wie Tablets und weiteren digitalen Medien. Hierdurch erhalten sie bestmögliche Unterstützung hinsichtlich der individuellen Entwicklungsförderung, dem Kommunikationsaufbau, dem Hörtraining und der Artikulation.

An der Franz von Sales-Schule wird zudem eine selbsterstellte Gebärden-App eingesetzt, die es ermöglicht, eine Basiskommunikation mit den Schülern zu haben. Sie wird insbesondere von hörenden Angehörigen eingesetzt. Im Gespräch mit der Mutter eines Schülers konnte sich der Minister vom großen Nutzen dieser technischen Hilfsmittel überzeugen. Sie erzählte von der komplexen Lebenssituation und den innerfamiliären Kommunikationsanstrengungen, um sich mit dem hör- und geistig behinderten Kind überhaupt erst einmal grundlegend verständigen zu können.

Das Dominikus-Ringeisen-Werk hat in Ursberg drei Förderzentren, die zudem jeweils Schulvorbereitende Einrichtungen haben. Neben der Franz von Sales-Schule sind das die Dominikus-Schule für den geistigen Förderbedarf und die Katharinen-Schule, die Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Blick hat. Außerdem gibt es eine Berufsschule in Ursberg. Täglich besuchen rund 950 Schülerinnen und Schüler diese Bildungseinrichtungen.